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Die Geschichte Khasaruds und Untosias

Vor einigen Jahrhunderten waren Khasarud und Untosia befreundete Königreiche, die regen Handel trieben und gute Beziehungen pflegten. Beide Länder verfügten über eine animistische Religion, bis eines Tages der Jäger Marcas und die Hohepriesterin Arinmia für ihren Glauben an andere Werte als Märtyrer hingerichtet wurden und - so erzählt die Sage - als Geister in den Himmel aufgefahren seien. Fortan wurden sie in beiden Ländern als Götter verehrt, doch in Khasarud entstand eine Gegenbewegung: Ein Wanderprediger erzählte von einem göttlichen Wesen namens Cairbothan und stellte all die Werte der neuen Religion völlig in Frage. Statt Nächstenliebe und Ehre predigte er Fleischeslust und Dämonenkult und fand schnell zahlreiche Anhänger.
Untosia spaltete sich von Khasarud ab, als die Jünger Cairbothans erstarkten, und die Beziehungen schliefen ein.

Khasarud blieb allein mit seiner inneren Zerrissenheit. Die Jünger erbauten ihrem Gott ein Heim, so wie er bei seinem einzigen angeblichen Besuch seiner Anhänger befohlen hatte, und so entstand die riesige Zitadelle von Carmoth ganz im Norden Khasaruds. Cairbothan wurde mit Blutopfern verehrt und der Kult, der sich zu seiner Verehrung gebildet hatte, praktizierte regelmäßig dunkle Zeremonien und zeichnete sich durch eine starre Hierarchie und Sklaverei aus, vor allem aber auch durch Rechtelosigkeit der Frauen.
Im Süden hielt sich der Glauben an Marcas und Arinmia, eine Religion, die konservative und gemeinschaftsfördernde Werte pflegt. Diese Religion blieb Staatsreligion, solange der König seinen Sitz im südlichen Harlaen hatte, doch vor nicht allzu langer Zeit wurde er von dem neuen König Elliut ermordet und die Jünger Cairbothans gelangten an die Macht.

In Khasarud gibt es nur eine kleine Gruppe von Menschen, die sich keiner Religion zugehörig fühlt: Die Schwesternschaft der Klinge. Vor mehreren Jahrhunderten wurde dieser Zusammenschluß gegründet, um jungen Frauen Möglichkeiten zu bieten, die sie sonst niemals hätten. Die Anwärterinnen lernen in etwa zwei Jahren lesen, schreiben, Geschichts- und Rechtskunde, die Heilkunst und nicht zuletzt auch den Umgang mit Waffen. Die Schwesternschaft ist der einzige Ort, der Frauen in Khasarud dieselben Freiheiten einräumt, die Männer haben, und sie wurde stets als besondere Gemeinschaft geachtet und geehrt.
Die Schwestern boten Hilfe in allen Angelegenheiten, auf die sie sich verstanden, doch da König Elliut der Bedrohung seiner Macht durch die Schwesternschaft gewahr ist, ließ er sie bis auf einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Größe niederschlagen und verbieten. Die übrigen Schwestern leben in zwei Lagern im Süden Khasaruds und sehen aufgrund ihrer geringen Zahl von knapp einhundert Mitgliedern hilflos zu, wie der König das Land in Stücke reißt und Unschuldige töten läßt. Die Leiterin, Saia Cathernin, kann Caelidh nicht einmal Hilfe zur Verfügung stellen, als die junge Frau darum für die Suche nach ihrer Schwester bittet.